Weil Sterben auch Leben ist –

1. Orientierungstag 2020 im Viernheimer Hospizverein

Genauer Termin in Kürze


Sie sind im (Un-) Ruhestand, stehen mitten im Leben? Sie haben selbst Erfahrungen gemacht in der Begleitung Kranker oder Sterbender Angehöriger oder Freunde und möchten diese weitergeben? Sie wissen um die Bedeutung, einfach nur da zu sein? Sie möchten sich für andere einsetzen? Dann freuen sich die Koordinatorinnen des Hospizvereins Viernheim auf Sie!

Der Orientierungstag des Hospizvereins dient zur Förderung des Hospizgedankens und beschreibt die aktive Mitarbeit und die Einsatzbereiche der ambulant helfenden Begleiter und Begleiterinnen im Alltag. Das Seminar wendet sich an alle Frauen und Männer, die sich mit Tod und Sterben beschäftigen und auseinandersetzen möchten. Es gilt Ängste vor diesem Thema zu überwinden – für sich selbst und den Umgang mit Schwerstkranken und Sterbenden.
Sie gehen an diesem Tag keine Verpflichtung im Hospizverein ein, jedoch ist der Besuch dieser Veranstaltung Voraussetzung für eine aktive Mitarbeit in der ambulanten Sterbebegleitung im Hospizverein Viernheim e.V.
Unkostenbeitrag 15,00 Euro für Getränke, Mittagssnack und Arbeitsmaterial.

Anmeldung bitte per E- Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch Mo. bis Fr. 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr unter 06204/ 602559

Ist Demenz vermeidbar?

Vortrag von Dr. phil. Ch. Rott in der Kulturscheune am, 24.Oktober 2019


In einer Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden, nimmt folglich auch die Zahl der Menschen zu, die in der Bewältigung ihres Alltags auf Unterstützung angewiesen sind. Das gilt ganz besonders auch für Menschen mit Demenz.Dr Rott

Die Wissenschaft hat trotz intensiver Forschungen bis heute keine Therapie entwickeln können, die zu Prävention oder gar heilenden Behandlung einer ausgeprägten Demenz geeignet wäre.

Die Erkrankung verläuft individuell sehr unterschiedlich und stellt in ihrem Verlauf Patienten und ihre Angehörigen vor große Herausforderungen. Verminderte kognitive Fähigkeiten, ein weniger leistungsfähiges (Kurzzeit-) Gedächtnis und weniger werdende motorische Fähigkeiten führen zu einem schleichenden Verlust von Persönlichkeit und Eigenständigkeit der Patienten. Darauf folgen häufig mangelnde soziale Kontakte, psychosomatische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten. Zahlreiche Studien belegen, dass es für Demenz einige Risikofaktoren gibt, die die Entstehung dieser schwerwiegenden Krankheit fördern. Diese sind Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht und körperliche Inaktivität. Auch Depressionen, Rauchen und ein niedriger Bildungsstand können eine Rolle spielen. Neueste Forschungen zeigen, dass auch Hörverlust und soziale Isolation Risikofaktoren für eine Demenz darstellen. Genau betrachtet hängen die Faktoren häufig voneinander ab oder bedingen sich gegenseitig. Jedoch ist die Demenz kein unausweichliches Schicksal! Der Referent Dr. Rott ist lange in der Langlebigkeits- und Hundertjährigen Forschung tätig gewesen und stellt in seinen Ausführungen dar, dass rund 1/3 der Demenzerkrankungen von den genannten Risikofaktoren abhängen. Ein ausgewogener Lebensstil, soziale Kontakte, Gedächtnistraining (z. B. mit Spielen und Rätseln), eine gesunde, mediterrane Ernährung, sowie ausreichend Schlaf können die Bereitschaft im Alter dement zu werden, vermindern. Ein besonderes Augenmerk sollte vorbeugend und therapierend auf körperlicher Ertüchtigung liegen. Studien und Versuche belegen, dass zwar keine Medikamente, aber viel Bewegung, den Abbau von Demenz verursachender Plaque an den Gefäßen im Gehirn vermindert.

Fazit des Vortrags ist für die zahlreichen interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer: Regelmäßiger leichter Sport (z. B. Wandern, Radfahren) auch im Alter, gymnastische Übungen und Koordinationstraining werden eine Demenz nicht heilen, wirken aber bewiesener Maßen vorbeugend und können die Entwicklung einer Demenz verzögern.

 

Verabschiedung von Frau Dorothee Gassenferth in den Ruhestand

Sie war die Seele des Hospizvereins, koordinierte dessen vielfältige Aufgaben, nahm Anteil, spendete Trost und begleitete zahlreiche Menschen auf ihrem letzten Weg. Am 28.März wurde Frau Dorothee Gassenferth nach fast 23 Jahren Tätigkeit für den Hospizverein in den Ruhestand verabschiedet. Von 1996 bis 2005 war Frau Gassenferth berufsbegleitend ehrenamtlich tätig. Seit 2005 bis jetzt hat sie mit einer Halbtagsstelle die palliative Versorgung unheilbar Kranker und Sterbender zu Hause, im Krankenhaus und im Altenheim als ihre Hauptaufgaben gelebt.

Wegbegleiter, wie die ehemalige Vorsitzende Frau Dr. Hinrichs, Pfarrer Traxler und die Palliativmedizinerin Frau Dr. Weiß, ehemalige und amtierende Vorstände, sowie die Vorsitzende Fr. Dr. Behrendt, Mitarbeiterinnen aus Hospiz und Krankenhaus und die Nachfolgerin von Frau Gassenferth, Frau Engelmann kamen in den neuen Räumen des Vereins im stationären Hospiz in der Seegartenstraße zu einer kleinen Feierstunde zusammen.

blumenuebergabe

Bewunderung und Dankbarkeit gaben in den kleinen Ansprachen den Ton an, denn über viele Jahre hat Dorothee Gassenferth den Hospizverein mit Leben gefüllt. Sie hat die Weiterbildungskurse für die ehrenamtlichen Begleiter gestaltet, sie hat viele interessante Referenten zum Thema würdevolles Leben und Sterben organisiert, mit den Ehrenamtlichen regelmäßige Trauercafés eingerichtet, den Tag des Friedhofs nach Viernheim gebracht und das Vereinsfest im Museumsgarten mit initiiert.  Ein besonderes Anliegen waren ihr die „Sternenkinder“,  eine Selbsthilfegruppe für Eltern, die ein Kind durch Tod oder Fehlgeburt verloren haben.

Als Koordinatorin des Vereins hat Frau Gassenferth viel Organisatorisches geleistet und notwendige Verbindungen zwischen Patienten, ehrenamtlichen Begleitern und Medizinern hergestellt. Doch das Wichtigste war ihr immer der enge persönliche Kontakt zu den betroffenen Familien.  Ihre offene, freundliche und ermutigende Art, Zugänglichkeit und ihre Zuverlässigkeit  haben es ihr leicht gemacht in Kontakt mit Menschen zu kommen.

„Betroffene in den schwersten Stunden ihres Lebens zu begleiten ist eine ganz große Aufgabe und verdient unseren größten Respekt.“ Die Vorsitzende Frau Dr. Behrendt, sowie die Anwesenden verabschiedeten Frau Gassenferth und bedankten sich sehr herzlich mit Blumen, Geschenken und den besten Wünschen für den Ruhestand.

Die Koordination der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, erfolgt nahtlos weiter durch die Palliativfachkräfte Frau Engelmann und Frau Möller, die auch Ansprechpartnerinnen für alle Fragen um die hospizliche Begleitung sind.

Orientierungstag im Viernheimer Hospizverein

Sie nehmen sich Zeit für andere und sind Begleiter mit Herz und Verstand!

Diese Eigenschaft zeichnet die Damen und den Herren zu allererst aus, die sich am 09. März 2019 zum Orientierungstag des Viernheimer Hospizvereins im Veranstaltungsraum der Kirche St. Hildegard in Viernheim eingefunden hatten.

Blumenschmuck

Egal ob mit oder ohne Erfahrung um die Begleitung sterbender Menschen, stellten sich die neun Teilnehmer der Frage, was das Sterben so schwer macht, welche Bedürfnisse Betroffene haben und wie sich diese erfüllen lassen.

In der Einstiegsrunde des Seminartages sollen sich die Teilnehmer eine Karte mit Gedanken und Sprüchen zum Thema Sterben, Tod und Trauer auswählen und von ihrer eigenen Motivation berichten in der Hospizbegleitung mitzuarbeiten. Die ehrenamtlichen Hospizhelfer leisten große zwischenmenschliche Hilfe für Schwerkranke, Sterbende und deren Angehörige. Sie werden dabei von den verantwortlichen Koordinatorinnen in ihre Tätigkeit eingeführt und begleitet. Die beiden leitenden Palliativ- Fachkräfte Dorothee Gassenferdt und Sabine Engelmann informierten in der acht stündigen Veranstaltung über die Schwerpunktarbeit in der ambulanten Begleitung, über Pflege, Schmerztherapie und die Trauerarbeit.

Die Pausen ermöglichten allen Teilnehmern ein persönliches Kennenlernen und Erfahrungsaustausch. Auch ein Büchertisch bot Inspiration und Information.

Der Schritt in die Sterbebegleitung ist kein leichter, doch der Beistand in der Zeit des Abschiednehmens kann eine sehr erfüllende Aufgabe sein und geht uns alle an.

Mit dem Besuch des Orientierungstages sind die Teilnehmer dem Hospizgedanken nähergekommen ohne gleich eine Verpflichtung einzugehen. Jedoch ist der Besuch des Orientierungstages Voraussetzung für eine aktive Mitarbeit in der ambulanten Sterbebegleitung im Hospizverein Viernheim e.V.

Die folgende Ausbildung orientiert sich an den „Richtlinien des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes für die Schulung von ehrenamtlichen Hospizbegleitern“. Sie beinhaltet neben der Auseinandersetzung mit dem Sterben auch weitere Themen wie Selbsterfahrung und Kommunikation mit Betroffenen. Für Interessierte wird im Herbst ein zweiter Orientierungstag angeboten.

Selbstbestimmte Sterbebegleitung geht uns alle an!  

Wencke Stülpner

Einweihung des Hospiz Schwester Paterna

am 14.Dezember 2018

Wenn man in das neue Hospiz in der Seegartenstraße eintritt, steht man in einem in warmen Gelbtönen gestrichenen Eingangsbereich mit Blick auf das Herzstück des Gebäudes, eine kleine, runde, heimelige Kapelle. Spiritueller Mittelpunkt, mit geöffneten Wänden groß genug z.B. für den Festakt zur Einweihung. Geschlossen ein Raum der Stille, der Zuflucht, des Innehaltens, umspielt vom Licht, dass durch die kunstvollen, bunten Fenster fällt, die von Joel Gabriel gestaltet wurden. Auch die großflächigen Bilder des südafrikanischen Malers Wilem Peters in Fluren und Zimmern laden zum Verweilen ein und geben den Räumen des Hospizes eine positive Atmosphäre.

Musikalisch einfühlsam umrahmt von Johanna Neudörfer und Marc Bugert, gab es nach der Begrüßung durch Pfr. Angelo Stipinovic eine Reihe von Grußworten aus Politik, Kirche, Gemeinde und der Trägerschaft. Prälat Dietmar Giebelmann segnete zum Ende der Feierstunde die Räume.

Hospiz Paterna 9Im stationären Hospiz finden schwerstkranke und sterbende Menschen in Ihren letzten Tagen und Wochen ein letztes zu Hause in dem man sich wohlfühlt. Sie und ihre Angehörige sind keine Patienten, sondern Gäste.

Vor neun Jahren hat Pfarrer Stipinovich zusammen mit der damalige Vorsitzenden des Hospizvereins Frau Dr.Hinrichs und mit dem 1. Stadtrat Ringhof die Idee des stationären Hospizes ins Leben gerufen und konsequent deren Umsetzung verfolgt. Es hat in Viernheim lange, zähe Gespräche und Diskussionen gegeben, ob die Stadt ein stationäres Hospiz braucht und nicht zuletzt auch darüber, wo eine solche Einrichtung gebaut werden soll. Hier soll es um Leben und Lebensqualität bis zu Letzt gehen, so wie es Cicely Saunders, die Begründerin der modernen Hospizbewegung in den sechziger Jahren formuliert hat. Viernheim hat ein sehr breit aufgestelltes soziales Angebot. Da war die Zusage für das zentral zwischen Krankenhaus und Forum der Senioren gelegene Hospiz beinahe zwingend. Es steht nicht in Konkurrenz zu den zwei anderen Einrichtungen im Kreis Bergstraße, sondern versteht sich als notwendige Bereicherung. Das Gebäude steht bewusst nicht am Rande der Stadt, sondern mitten drin, mitten in der Gesellschaft. Denn Sterbende gehören nicht abgeschoben, ausquartiert und allein gelassen, sondern begleitet. Ein Zitat aus den Grußworten hat mich persönlich neben vielen anregenden Gedanken besonders berührt: „ Nicht durch die Hand, sondern an der Hand von Menschen soll der Mensch sterben“, zitierte Diözäsancaritasdirektor Domnick den ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.

Lebensbegleitung im Sterben ist eine schwere Aufgabe für Angehörige, Pflegekräfte und die Ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des ambulanten Hospizdienstes. Jeder einzelne muss sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen, das Tabuthema Sterben und Tod überwinden und eigene Wünsche dazu formulieren. Wer will schon an die eigene Sterblichkeit erinnert werden? Aber in „guten Tagen“ zu lernen, auch das Sterben lernen, wie es Marie von Ebner Eschenbach formulierte, kann in der heutigen Zeit mit all unserem Wissen, unseren sozialen Einrichtungen und dem Engagement von Vielen gut gelingen, weil sich die äußeren Bedingungen und die Versorgung für die Zeit des Sterbens stetig verbessern.

Der neue Besprechungsraum des HospizvereinsDer Hospizverein Viernheim e.V. macht es sich täglich zur Aufgabe, Schwerstkranke und Sterbende in den letzten Wochen und Tagen ihres Lebens und deren Angehörige in dieser belastenden Zeit zu Hause zu begleiten und zu unterstützen. Wenn eine Begleitung zu Hause nicht mehr möglich ist, kommt die Professionalität der Fachkräfte im stationären Hospiz zum Einsatz. Deren Aufgabe ist es, in einem sicheren, geschützten Rahmen den letzten Teil des Lebens zu einem lebensbejahenden, schönen Teil zu machen. Ambulanter Verein und stationäres Hospiz haben das gleiche Ziel und können sich großartig ergänzen und bereichern. Frau Heidelberger, die Leiterin des Hospizes und Frau Dr. Behrendt, Vorsitzende des Vereins, dankten allen Förderern und Unterstützern und forderten die Anwesenden auf, das Haus nun mit Leben zu füllen. Zum Abschluss berichtete Pfr. Stipinovic noch einmal von der Namensgeberin des Hospizes Schwester Paterna, die uneitel, machtlos, hartnäckig aber liebevoll mit ihrem klapprigen Fahrrad durch Viernheim zog um sich von den Wohlhabenden Gaben zu erbitten, die sie an die Armen und Kranken weitergegeben hat. In diesem Sinne erhielten die Gäste der Einweihungsfeier ein Säckchen mit Gebetsperlen und einem Schutzengel zum nach Hause tragen, verbunden mit der Hoffnung, dass viele Menschen Unterstützung jeglicher Art in den Hospizverein und in das stationäre Hospiz wieder hineintragen. Denn die Hospizbewegung lebt durch achtsame, mutige, vielseitig engagierte Menschen.